Sonntag, 29.12.2013

29. Dezember

So, ich bin irgendwie fertig mit meinem Zwischenbericht (Ich kann nicht glauben dass schon fast die hälfte rum ist), Ich habe den großteil des Textex, in dem ich mich über das schulsystem auskotze rausgenommen, aber weil ich es nicht einfach so auf meine festplatte versauern lassen will, poste ich es jetzt hier :) Das ist nicht bearbeitet also beschwert ecuch nihct über mögliche RS/Gr/Z/A-Fehler. 

Dass chinesische Schüler fleißiger sind als alle anderen, wusste ich schon vorher, aber meine Erwartungen wurden um Weites übertroffen. Montags bis Freitags kommt meine Schwester halb zehn nach Hause, nur um dann noch mindestens zwei Stunden Hausaufgaben zu machen. Samstags hat sie „nur“ bis 18 Uhr Schule, muss aber dafür als Ausgleich am Sonntagabend in die Schule. Die wenigen Ferien, die den Schülern hier gegönnt werden, sind auch nicht mit deutschen Schulferien zu vergleichen, weil sie trotzdem an vielen Tagen zur Schule muss und an den Tagen, an den man wirklich frei hat, den Haufen Extrahausaufgaben bearbeiten muss. Offiziell ist es illegal in meiner Provinz, die Schüler am Wochenende und in den Ferien zu zwingen, in die Schule zu gehen. Doch der Schulleiter hat Kontakte, und die haben Kontakte, dann ist ein bisschen Geld im Spiel und schon bringt Beschweren gar nichts mehr. Für chinesische Schüler zählt nicht ihre eigene Leistung, sondern die Leistung im Vergleich zum Rest der Klasse. Zensuren werden nicht nach Punktzahl vergeben, sondern danach, wie viele Schüler besser oder schlechter waren. Zum Beispiel bekommen die besten 5% eine Eins, die nächsten 10% eine 2 und so weiter. Wo in Deutschland es einige Schüler schaffen, ab und zu 15 Punkte (1+) zu schreiben, ist es für chinesische Schüler unmöglich, 100% richtig zu beantworten. Nach den Prüfungen wird dann lautstark von den Lehrern vorgelesen, welches Fach jedem einzelnen Schüler gut liegt und welches er noch verbessern muss.  Was mich wahrscheinlich am meisten überrascht, man könnte fast geschockt sagen, war, dass das komplette zwölfte Schuljahr aus Wiederholen der vergangenen zwei Jahre besteht. Alles dreht sich um die Abschlussprüfung (高考 gaokao). So ignoriert unsere Politiklehrerin zum Beispiel die Klasse und lässt die Schüler für die Naturwissenschaftsfächer lernen, weil diese beim Gaokao viel mehr zählen, als Politik oder Geschichte. Das Schulsystem an sich unterscheidet sich gar nicht so sehr vom deutschen. Schließlich entscheidet auch unser Durchschnitt im Abitur, was und wo wir studieren können. Was anders ist, ist die Einstellung der Schüler und die Unterrichtsmethoden. Für deutsche Schüler ist Schule nicht alles. Es gibt ein Leben außerhalb der Schule. Wir entscheiden, auf welche Uni wir gehen danach, wie sehr der Kurs zu uns passt und wie uns die Stadt gefällt. Für Chinesen zählt nur eins: Wie hoch die Universität in den Rankings liegt. So werden die Schüler in China eher den Unis zugeteilt, anstatt sie sich eine Lieblingsuni aussuchen. Je nachdem, für welchen Zweig sich die Schüler in der 10. Klasse entscheiden, Naturwissenschaft oder Geisteswissenschaften, so müssen sie auch den Kurs in der Uni wählen. Was auch unglaublich beliebt ist, sind Auslandsstudien in den USA, Canada oder Großbritannien. Die Familie investiert dann jeden einzelnen Yuan den sie auftreiben können, und das Kind investiert jede freie Sekunde, um für TOEFL oder IELTS zu lernen. Manchmal endet es dann enttäuschend, wenn der Student die Prüfungen nicht besteht, weil auf einmal völlig andere Dinge von ihm erwartet werden. Chinesische Schüler lernen nicht, wie man selbst recherchiert und lernt. Sie sind es gewöhnt, schriftliche (Ankreuz-) Hausaufgaben zu kriegen und von den Lehrern gesagt zu bekommen, was sie wann machen sollen. Die „Höchststrafe“ fürs Zuspätkommen sind Extrahausaufgaben oder Liegestütze. Chinesen sind übrigens selbst nicht von ihrem Schulsystem überzeugt. Die Schüler lernen wirklich nur für die Prüfungen. Zwar ist das in Deutschland eigentlich auch nicht anders, aber wie oft habe ich von meinen Lehrern den Satz „Ihr lernt für euer Leben!“ gehört. Chinesische Lehrer tun noch nicht mal so. Dazu kommt, dass die Regierung ständig das Geld kürzt, sodass kaum noch AGs stattfinden können (und die Weihnachtsfeier wurde abgesagt).

Das mag sich jetzt alles sehr grau anhören, aber es gibt auch viele Dinge, die ich hier an der Schule genieße. Die Schüler sind viel fleißiger und beschweren sich nicht ständig. Sie sind leise im Unterricht und respektieren den Lehrer, aber sobald die Stunde vorbei ist, haben sie genauso Spaß wie deutsche Schüler. Es gibt Klassenclowns und „Insider-Witze“. Das Schönste ist, dass mir hier noch nie Mobbing aufgefallen ist. Vor allem die Offenheit gegenüber Outfits gefällt mir total. An meiner Schule werden keine Uniformen getragen. Die Kleidungsstile in meiner Klasse reichen von „moderner, Londoner Hipster“ bis Klamotten, die in Deutschland nur von Kindergartenkindern getragen werden, aber keiner interessiert sich dafür, was andere Leute anziehen. Allgemein haben Chinesen mehr Humor, was Bekleidung angeht. Sie tragen häufig lustige Sachen, wie Katzenohrenmützen, und mehr Farben. In Deutschland tragen so viele Menschen Schwarz und Grau, besonders fällt das bei Regenschirmen auf. Außerdem ist es in China völlig normal, auf der Straße zu singen.