Mittwoch, 04.06.2014

4. Juni 2014

Wir ihr bestimmt wisst, ist heute der 25. Jahrestag des Tiananmen-Massakers. Dass das in den Chinesischen Nachrichten oder irgendwo erwähnt wird, hatte ich natürlich nicht erwartet, also habe ich mal meine Schwester gefragt, was sie darüber weiß (oder nicht weiß).

Das erste was sie mir gesagt hat, war, dass es nicht „Massaker“ (屠杀) sondern „Event“ (事件) heißt. „Denn Massaker sind Events, bei dem viele Menschen umgebracht werden, z.B. wie beim Nanjing Massaker, bei dem Japaner 3 Millionen Chinesen ermordet haben. Was in Beijing passiert war gar nicht so eine große Sache“

 

Die Version, die sind in der Schule lernt:

Demonstranten waren Teil einer religiöse Extremistengruppe, die ihre Mitglieder alle einer Gehirnwäsche unterzogen hat. Sie haben sich am Tiananmenplatz selbst angezündet. Diese Extremisten wohnen heute in Taiwan, Hong Kong und anderem Ausland und führen ihre religiösen Praktiken weiter. Diese Gruppe hat viele Bücher gedruckt, in der sie ihre Version der Geschichte erzählen, nämlich dass die Regierung kam und die Demonstranten getötet haben.

 

Dann hat sie mir noch zwei Geschichten dazu erzählt:

  1. Ein Mitglied dieser Extremistengruppe hatte eine 12jährige Tochter und hat sie dazu überredet, sich auch selbst anzuzünden, um an einen besseren Ort zu kommen. Das Mädchen hat es gemacht und überlebt. Später wurde sie von Journalisten interviewt und hat gesagt, dass ihre Mutter sie betrogen hat.
  2. Die Extremistengruppe hat wohl einen Stein mit Erde gefunden, die den Satz: „Die Volkspartei China hat getötet“ bildet, ohne Menschenhand geschaffen-

 

Die Einstellung meiner Schwester dazu war eher achselzuckend. „Wer weiß, was wahr ist. Ist schon eine lange Zeit her.“  Ich denke, dass sie mehr die chinesische Version glaubt, weil sie immer und immer wieder wiederholt hat, dass die Version der „Extremistengruppe“ auch nicht unbedingt stimmen muss (Sie weiß, dass ich in dem Museum in Hong Kong war). Letztendlich interessiert sie sich nicht wirklich dafür.