Freitag, 28.03.2014

Shanghai

Am letzten Dienstag bin ich morgens mit dem Zug von Nanchang Richtung Shanghai losgefahren. Maria und Laura habe ich schon vorher in der Wartehalle getroffen. Weil ich mein Ticket alleine gekauft hatte, hatten wir keine Plätze zusammen, aber ein netter Mann hat mit mir den Platz getauscht, damit wir zusammensitzen können. Im Zug haben wir uns erstmal darüber ausgetauscht, wies uns allen so geht. Beide haben nochmal ihre Gastfamilie gewechselt (Laura ist jetzt in ihrer 4. Familie). Nach 6 oder 7 Stunden sind wir in Shanghai angekommen. Alles war auf einmal so sauber! Man konnte sofort merken, dass wir uns jetzt auf der reichen Seite Chinas befinden. Als erstes sind wir zu unserer Unterkunft gefahren, ein kleines süßen Hostel in einer Nebenstraße ganz nah am Oriental Tower. Abends sind wir in Xintiandi rumgelaufen, ein Stadtteil mit westlichen Häusern und vielen Cafés (und Ausländer).

Am nächsten Tag haben wir am Morgen das Science- & Technology Museum besucht. Das Gebäude sah schon richtig cool aus, und die Austellung war sehr interessant und riesig. Wirklich empfehlenswert! Es waren viele Schulklassen da. (Die Schulen in Shanghai sind glaube ich viiieeeel besser als die in Jiangxi) Am Nachmitag sind wir auf der Nanjing Road rumgeschländert und haben uns abends den Bund angeguckt. Das ist eine Promenade (?) gegenüber des Finanzdistrict, auf der man wunderbar Bilder von der Skyline machen kann. 

Donnerstagsmorgen waren wir im Aquarium, was ganz okay war, aber für mich nichts besonderes. Marai und Laura waren vorher noch nie in einem Aquarium gewesen (und Maria war noch nie in einem Zoo). Danach haben wir in der Altstadt viele Snack probiert und ein paar Souveniers gekauft und sind anschließend in den berühmten Yu-Park gegangen. Der war voll mit deutschen Touristen (Allgemein haben wir in Shanghai richtig viele Deutsche getroffen. Aber nur einmal Italiener und keine Finnen). Am Nachmittag sind wir auf den JinMao-Turm gegangen, um Shanghai mal von oben zu sehen. 

Freitag haben ich und Maria in Suzhou verbracht. Laura gings nicht so gut und sie hatte kein Interesse an Suzhou. Suzhou (und Hangzhou) gilt als Stadt mit den schönsten Gärten (Die meisten davon sind UNESCO Weltkulturerbe) Es gibt ein Sprichwort, das lautet: 上有天堂,下有苏杭 (shang you tian tang, xia you su hang) "Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou". Das Zugticket nach Suzhou hat gerade mal 3€ gekostet und man fährt für ca. 30 min. Neben mehreren Gärten (Liu-Park, Wangshi-Park) waren wir im Seidenmuseum, einer Wasserstraße und abends eine sehr schöne romantische Gasse neben einem kleine Kanal. Dort haben wir uns je einen großes frittierten Oktopus gegönnt. :3 Suzhou und seine Gärten sind wirklich so schön, wie es immer behauptet wird. Ich finde chinesische Gärten allgemein sehr schön, aber die Gärten in Suzhou kamen mir irgendwie noch besonderer vor. Vielleicht lag es daran, dass es nicht so voll war wie in Shanghai und wir perfektes Wetter hatten.

Am Samstag waren wir vormittags im China Art Palace (中华艺术宫). Allein die Architektur des Gebäudes war erstaunlich. Es sieht aus, wie ein riesiger roter Mahjongtisch. Die Austellung war konstenlos und interessant (Modern Art! Also nicht alles so eintönig wie die traditionellen Sachen) Nachmittags sind wir zurück zum Hostel gefahren, und haben gesehen, dass es dort gerade eine Grillparty gibt. Den Rest des Tages und Abends haben wir dann mit den Leuten aus dem Hostel verbracht. Der Besitzer war echt cool drauf, und die anderen Gäste auch. Außer uns drei waren noch zwei Businessmänner aus Estland, ein Franzose, eine Engländerin (die am nächsten Tag ihren 30. Geburtstag hatte. Wir haben für sie in je unserer Sprache Happy Birthday gesungen) und ein haufen Chinesen. (Einer aus der inneren Mongolei) Außerdem glaube ich zwei Deutsche und drei Amerikaner, die aber nicht mit uns abgehangen haben. 

Am letzten Tag hat sich Maria mit ihrem früherem Chinesischlehrer getroffen (Der in Italien studiert hat und dort sie unterrichtet hat). Laura und ich habe die Zeit dann auf dem Volksplatz (人民广场) verbracht und haben uns nochmal den Bund im Tageslicht angeguckt. Die letzte Nacht haben wir in einem anderen Hotel verbracht in der Nähe des Bahnhofes, weil man vom Hostel eine ganze Weile braucht, unser Zug ziemlich früh losging und die U-Bahnen erst um 6 ihren Betrieb aufnehmen. Das Hotel hatt morgens einen eigenen Shuttle zum Bahnhof.

Insgesamt war der Aufenthalt in Shanghai sehr schön. Teilweise war die Stimmung ein bisschen gespannt, weil sich Maria und Laura nicht allzu gut verstehen. Es war schön, mal so eine andere Seite von Chin zu sehen. So reich, sauber, global (mehr oder weniger) und kreativ (immer noch nicht mit Berlin/Europäischen Hauptstädten zu vergleichen, aber Nanchang ist echt tot. Was ich damit meine ist: In Berlin ist man von Kunst umgeben. Wir haben Graffiti an Wänden, Sticker an Ampeln, Musiker in der U-bahn, LivemusikFashion Week, hunderte Kunstgalerien, Breakdancer auf dem Ku'damm. Kunst ist überall. Und Nanchang? Nichts. Noch nicht mal ein Kunstmuseum.(Außer vielleicht die Zeichnungen von meinem Kalligraphielehrer. Die gleichen Bilder. Jeden Tag, seit über 2000 Jahren die gleichen Bilder immer das gleiche...[Ich verstehe chinesiche Kunst wirklich nicht im geringsten])

Das wars erstmal von meiner Shanghaireise :) Bilder kommen gleich irgendwann nacher. Was ist sonst noch so passiert:

  • Wir sind umgezogen (Ich habe jetzt mein eingenes Zimmer, Südseite und groß. Die Umgebung ist auch richtig schön und ich bin nur ein paar Meter von einem großen See entfernt.) 
  • Frau Li hat mich weitergeleitet zu einem Jungen names Timo, der gern Deutsch lernen will. Hab mich zweimal mit ihm getroffen, ich habe nicht wirklich Lust ihn zu unterrichten, weil ich nur noch drei Monate in China habe und er Englisch mit mir redet (und ich will nur noch Chinesisch reden). Sein Englisch ist noch nicht mal gut -.- Aber jetzt hat er mich schon das Geld für die nächsten 8 Stunden gegeben. 
  • Habe endlich wieder Yanhong gesehen. (Habe ich sie überhauptschonmal auf diesem Blog erwähnt? Fals nicht: Sie arbeitet in einem Laden nicht weit von meiner Schule entfernt. Eines Tages war ich Shoppen und sie hat mich angesprochen, oder ich sie, weiß nicht mehr. Sie war richtig nett und cool und dann habe ich mit ihr den ganzen Nachmittag abgehangen. Sie jobbt eigentlich fast jede freie Sekunde in diesem Laden, also bin ich ein paar mal vorbeigeschneit. Sie ist so natürlich und offen, (und so gedulgig, was mein Chinesisch angeht) Sie ist die einzige Person in China, die ich als "Freundin" zähle, (außer meine Gastschwester), auch wenn wir uns nur so kurz kennen. Aber bei ihr habe ich einfach das Gefühl, dass sie mich mag wegen meines Charakters, nicht weil ich ausländer bin. Und ich mag ihre Stimme :P) Sie hat mir erzählt, dass sie letzte Woche nach Fujian gefahren ist, um die Eltern ihres Freundes zu treffen. Sein Vater will, dass die beiden dieses Jahr heiraten (Sie ist 23 Jahre alt). Ihre Mutter will nicht, dass sie diesen Mann überhaupt heiratet, weil er in Fujian lebt. Die Frauen ziehen immer zu den Männern nach der Hochzeit und die Mutter will nicht, dass Yanhong so weit weg wohnt. Die Hochzeit wurde jetzt schon auf dieses Jahr festgelegt, aber Yanhong will gar nicht heiraten. :( Und sie ist so traurig und verzweifelt, weil sie ihren Freund liebt aber alles über deren Köpfe entschieden wird, und ihre Mutter nicht will, dass sie mit ihm zusammen wohnt. Ich weiß nicht, wie ich ihr helfen soll und ich glaube, das ist kein Einzelschicksal in China.